Luís
Antunes Pena
Echo und
die unvermeidbare Natur des Übergangs
für
Streichquartett (2007)
Ein Auftragswerk der Kasseler Musiktage 2007
Uraufführung:
6. November 2007
Ballhaus am Schloss Wilhelmshöhe | Kassel
Quatour Ysaye
Dauer: ca. 12 Min.
"Ich
weiß nicht, was Zeit ist. Ich kenne ihr wirkliches Maß
nicht, falls sie denn
eines hat. Ich
weiß, die Uhrzeit ist falsch: sie mißt die Zeit in
Räumen, von
außen. Die
empfundene Zeit ist falsch: sie mißt nicht die Zeit, sondern unser
Empfinden von
ihr. Und ich weiß, auch die geträumte Zeit ist falsch, denn
in
unseren
Träumen streifen wir die Zeit einmal länger und einmal
kürzer, und
was wir in
dieser Zeit erleben, geschieht schnell oder langsam, je nach ihrem
Verlauf, dessen
Beschaffenheit sich mir entzieht."
Fernando Pessoa,
Das Buch der Unruhe
Während der Kompositionsarbeit habe ich mich gefragt ob es eine
Möglichkeit der
Wiederholung
gibt. Ist die Wiederholung nur eine abstrakte Idee, eine Schöpfung
unserer
Wahrnehmung?
Dass die Zeit mit uns und gleichzeitig unabhängig von uns
läuft, wissen wir.
Für die
Musik ist es unabdingbar. Aber existiert die Wiederholung
tatsächlich oder stellt
sie eigentlich
eine Unmöglichkeit dar, gegenüber unserer sich immer
ständig veränderten
Wahrnehmung?
In dem
Stück
spiegelt sich die Idee der Wiederholung in verschiedenen Ebenen wieder.
Zuerst als
abstrakte Struktur und später als deutlich hörbare
rhythmische Konstruktion:
die Wiederholung
von intervallischen Strukturen; die Wiederholung von langen Sequenzen
von Noten, die
mit Veränderungen in anderen Parametern auftauchen, und die
Wiederholung
als
Kompositionsgrundlage für einen Puls.
Mehr als ein
physikalisches Phänomen, die Wiederholung stellt die Idee einer
Besessenheit
dar. Es ist ein
Ausdrucksform, die eine Hierarchie des Hörens schafft.
Echo und die unvermeidbare Natur des
Übergangs ist Jana Griess
gewidmet.
Luis Antunes Pena